Praxisanleiter

schwierige Schüler

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

schwierige Schüler

Beitrag  Plüschfussel am 03.08.10 15:52

Unser letzter Schüler war leider sehr schwierig.

Soetwas hab ich in den ganzen 31 Jahren Krankenpflege noch nicht erlebt.

Im Rahmen des Unterichtes den ich an verschiedenen Krankenpflegeschulen gebe, habe ich festgestellt, daß immer mehr Grundlagen bei den Schülern fehlen.

Irgendwie hatte dieser trotz eines sehr guten Abiturs, daß er mitgebracht hat, nicht realisiert, daß es um Leistung in seiner Ausbildung geht.

Die Pünktlichkeit und Arbeitseinstellung ließ zu wünschen übrig. Ca 20 bis 30 mal pro Schicht verschwand der Schüler für 10 bis 20 Minuten in der Toilette? - Die Gründe dafür blieben mir total unklar.
Morgens rief er an, er habe schlecht geschlafen, -" ob er zur Arbeit kommen müsse?"
Während der Arbeit und des Unterrichts wurde zb, nach dem Schlafraum gefragt, weil er eine halbe Stunde schlafen gehen wollte.- Dabei ging es nicht darum, daß er in seiner Pause schlafen gehen wollte, sondern einfachzusätzlich dann wenn er meinte, er sei jetzt müde gearbeitet.)

Nach einer Lernaufgabe mußte er erst einmal nachhause, weil er geschafft und fertig war.

Das theoretische Wissen war gar nicht schlecht, daß dieser Schüler hatte und er war auch nicht uninteressiert. Wenn er praktisch arbeitete, hatte man immer das Gefühl, ihm würde mindestens 1 Hand zum arbeiten fehlen. Die Zusammenarbeit "Denken- Motorik" schien er nicht coordinieren zu können.

Wir haben pro Abteilung 2 ausgebildete Praxisanleiter. Mit der Kollegin verstehe ich mich sehr gut, wobei wir beide einen anderen Hintergrund mitbringen,- und dadurch deutlich anders anleiten.
Ich bin ja schon etwas älter und habe Kinder erzogen,die ich auch ins Arbeitsleben schicken mußte und damit bringt man etwas "mütterliche " Erfahrung mit.
Das muß nicht immer positiv sein, ist aber sicherlich in manchen Situationen auch ein Gewinn für den Schüler.
Diesem Schüler fehlte das gesamte "Rüstzeug", daß man normalerweise von zuhause und von den anderen Schulen aus mitbekommt.

Als ich ihm in einem sehr direkten Gespräch klar gemacht hatte, daß es in der Ausbildung um Leistung ginge, für die er bezahlt werden will und mit der er eines Tages seinen Lebensunterhalt verdienen muß,-daß die Kollegen ebenfalls ihre Arbeitskraft verkaufen um sich zu ernähren und daß diese in keinem Fall dazu da sind für ihn mitzuarbeiten oder ihn zusätzlich auf den Schultern zu schleppen, sowie daß es für ihn "SEHR ERNST " aussieht, wurde das Verhalten bedeutend besser. Ich hatte deutlich ausgesprochen: "Das reicht nicht,- das werde ich SO nicht als Leistung annehmen."


Ich habe diesen Schüler von einer anderen Praxisanleitung für die letzten beiden Wochen seines Einsatzes übernehmen müssen, weil seine Praxisaufgabe noch fehlte und die Kollegin in den Urlaub ging.
Mit der Kollegin hab ich bis jetzt noch nicht sprechen können, denn es stellt sich mir wirklich die Frage, wie die Anleitung bis dahin aussah? Ob überhaupt eine Praxisanleitung stattgefunden hat, oder ob der Schüler sich die ersten Tage in denen ich ihn "betreute" vielleicht nur verweigerte.

Wie erwähnt, lief das NACH den ersten 2 Tagen total anders als ich die Anleitung übernahm, was ich aber nicht ausreichend halte, den gesamten Einsatz anders zu bewerten.

Die 14 Tage werde ich im Probezeitgespräch sachlich erwähnen, aber aus der Gesamtbeurteilung würde ich mich heraushalten, weil ich keines der Zwischengespräche geführt habe. Der positve Endspurt der letzten Woche, irritiert mich sehr, ist aber viel zu kurz gewesen um den Gesamteindruck nun zu revidieren.
Selbst die Kollegen erkannten den Schüler in unseren letzten gemeinsamen Schichten nicht wieder und wunderten sich, wie der sich einsetzte und mitdachte und eine meinte: "Das ist doch nicht unser Schüler, haben die ihn gegen einen Doppelgänger ausgetauscht?"
Den Spätstart hatte er allerdings etwas zu spät, so leid mir das tut. Er wird diese Ausbildung in der Probezeit wohl abbrechen müssen.
Diese Einsicht hätte er von zuhause aus schon mitbringen müssen. Wir können die Schüler ausbilden, aber wir können keine erzieherischen Defizite bei jungen Erwachsenen ausgleichen. Das geht zu weit!
Wir müssen solche Dinge allerdings so früh wie möglich sehr deutlich an- und aussprechen,-und den Schüler auf keinen Fall unkommentiert so weiter machen lassen. Da muß dringend eine ernste " Stopp, -so nicht- Botschaft" oder " mach das nochmal,- aber richtig Botschaft" kommen.
lg Plüschfussel
avatar
Plüschfussel

Anzahl der Beiträge : 30
Anmeldedatum : 27.03.10

Benutzerprofil anzeigen http://www.unser-fotoforum.com

Nach oben Nach unten

Re: schwierige Schüler

Beitrag  Brain am 03.08.10 16:00

Sorry, wenn nach deiner erwähnten Ansprache das Arbeitsverhalten des Schülers sich so dermaßen positiv geändert hat, würde ich, ohne den Schüler jetzt in Schutz nehmen zu wollen für "Arbeitsverweigerung" vorher, doch mal ein intensiveres Gespräch mit der Kollegin führen, die den Schüler vorher hatte. Das Hinzukommen von "Mutterinstinkt" alleine Wink wird ihn ja nicht so verändert haben. Hier scheint mir in der vorherigen Anleitung irgendetwas massiv gefehlt zu haben.
Hast Du keine Protokolle des Zwischengesprächs gesehen?

Brain

Anzahl der Beiträge : 350
Anmeldedatum : 17.10.09
Ort : Nds

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

aw

Beitrag  Plüschfussel am 05.08.10 13:03

Ich kenne die Zwischengesprächsprotokollen nicht und kann im Moment auch noch nicht mit der anderen Praxisanleitung reden, weil diese im Urlaub ist.
Die 2 Tage Einsatz mit dem Schüler sind mir zu wenig um die Leistung der letzten Monate zu "kippen." Die Einwände, die ich gehört habe scheinen nicht unberechtigt gewesen zu sein.
Wo die Gründe dafür liegen kann ich wirklich zum Zeitpunkt überhaupt nicht beurteilen.
Ich habe mir überlegt, daß ich außer einen sachlichen Bericht über die Einsatzsstunden und das Ergebnis, nichts zu dem Probezeitgespräch beitragen werde. Den Bericht auswerten und interpretieren kann die Schule dann ja am besten selbst.
Wenn ich wenigstens die vollen 14 Tage mit dem Schüler zusammengearbeitet hätte, und über diesen Zeitraum eine positive Leistung gesehen hätte, dann würde ich mich darauf eher verlassen. Zudem ist es so, daß der Schüler die Leistung und die Lernaufgabe gut bis befriedigend erbracht hat,- aber ich empfinde ihn als zu wenig belastbar für den Beruf und ich denke, daß wir dem nichts Gutes damit tun werden, ihn einen solchen Beruf erlernen zu lassen.
Nach der Lernaufgabe war er so fertig, daß ihm übel wurde und daß der ersteinmal nachhause mußte. Er kam dann zwar wieder zum Dienst nach ein paar Stunden. - Aber tun wir ihm, den Patienten und seinen zukünftigen Kollegen etwas Gutes ihn für diesem Beruf auszubilden? Ich müßte Hellseher sein um zu beurteilen, ob er dieses Defizit im Laufe der Ausbildung ausgeglichen bekommt.
Was nutzt mir später ein Arbeitskollege, der im Notfall wenn er unter Streß steht kollabiert und dem es schlechter geht als vielleicht dem reanimierten Patienten?
Ich neige auch eher dazu, daß mein Mutterinstinkt durchbricht,- aber in diesem Fall könnte das so leid mir das tut, genau die falsche Reaktion sein, der ich eben nicht vertrauen sollte.
Es handelt sich zwar um junge Erwachsene und Menschen, die noch ausgebildet werden müssen, die noch zu lernen haben.- Andererseits müssen wir bei diesen jungen Menschen auch bestimmte Grundfähigkeiten vorraussetzen können, die in die Erziehung des jungen Mannes gehört hätten. Ich denke, daß da im Vorfeld schon etliches versäumt wurde, und daß der Schüler da ein ganz großes Handicap mitgebracht hat.
Wie er ohne " Streß" auftritt, kann ich leider nur von der einen 8 Stundenschicht beurteilen, die nach der Lernaufgabe stattfand und erlebte ihn also nur in bei der Lernaufgabe, sowie in den Überschneidungszeiten der Dienste. Wäre ich nicht in meinem Frei herausgefahren, so hätte das planungsmäßig überhaupt nicht gepaßt.
Nun ist es so: Wenn ich einen Schüler zur Anleitung übernehme, dann kümmere ich mich von vorne herein darum, daß Zeit für die Anleitung eingeplant wird und ich komme auch schon mal außerhalb des Dienstplanes dafür heraus. ( Die Zeit bekomme ich als Überstunden zurückvergütet.) Da ich aber nicht damit rechnete, diesen Schüler zu übernehmen, fehlt mir natürlich der Hintergrund.
Ich denke, wenn ich einen sachlichen Bericht und die Dokumentation der Lernaufgabe, die ich angefertigt habe hinzufüge, dann wird sich die Schule davon ein eigenes Bild machen können, denn die kennen den Schüler ja aus ihrem Unterricht ebenfalls und wissen das einzusortieren.In den 14 Tagen blieben uns wegen der Unterrichtstage und wegen der freien Tage des Schülers nur diese beiden Arbeitstage, sodaß ich für die Lernaufgabe mehrmals in meiner Freizeit hingefahren bin, damit das überhaupt stattfinden kann. Warum die PA die Lernaufgabe mit ihm nicht durchgeführt hat, das kann ich erst nach einem Gespräch mit ihr wenn sei aus dem Urlaub kommt erfahren. Das ist dann aber zu spät für das Probezeitgespräch, daß bis zum 8.8 stattfinden soll.
Wir haben 2 Praxisanleiter pro Abteilung. Es ist aber so, daß die Abteilung aus 2 Stationen besteht und wenn man auf der 2. Station eingeteilt ist, dann bekommt man von dem Schüler nicht viel mit, wenn man sich darum nicht selbst kümmert. Dazu lag in diesem Fall keine Veranlassung vor, weil die Kollegin den Schüler zur Anleitung erhalten hat.

liebe Grüße Plüschfussel
avatar
Plüschfussel

Anzahl der Beiträge : 30
Anmeldedatum : 27.03.10

Benutzerprofil anzeigen http://www.unser-fotoforum.com

Nach oben Nach unten

Re: schwierige Schüler

Beitrag  Brain am 05.08.10 15:21

Wenn jedoch von vorneherein klar war, dass der betreuende PA Urlaub hat über den feststehenden Probegesprächstermin am 08.08. hinaus, dann muss sie doch jemanden über die Details der bisher gelaufenen Anleitung informiert haben, denn wer soll dass Gespräch denn dann führen?

Brain

Anzahl der Beiträge : 350
Anmeldedatum : 17.10.09
Ort : Nds

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: schwierige Schüler

Beitrag  Plüschfussel am 05.08.10 23:04

jo, das hab ich mich unter anderem auch gefragt.
Liebe Plüschfussel
avatar
Plüschfussel

Anzahl der Beiträge : 30
Anmeldedatum : 27.03.10

Benutzerprofil anzeigen http://www.unser-fotoforum.com

Nach oben Nach unten

Re: schwierige Schüler

Beitrag  Notaufnahme am 16.09.10 18:55

Langes Gespräch hin oder her... die häufigen und vor allem lang andauernden Toilettenbesuche sind doch etwas merkwürdig. Hat er vielleicht ein Drogenproblem?
avatar
Notaufnahme

Anzahl der Beiträge : 73
Anmeldedatum : 11.10.09
Alter : 46
Ort : Bayern

Benutzerprofil anzeigen http://www.notaufnahme.foren-city.de

Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten