Praxisanleiter

Krankenpflegeschüler mit geringen Deutschkenntnissen

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Krankenpflegeschüler mit geringen Deutschkenntnissen

Beitrag  Plüschfussel am 14.11.11 18:36

Liebe Forumsmitglieder!

Ich habe nun das 3 mal in Folge Schüler zur Praxisanleitung, die kaum Deutsch sprechen.
Dadurch werden die Lernsituationen zu einem Kraftakt, den man nicht mal eben neben der normalen Stationsarbeit
leisten kann.
Es fehlen Grundbegriffe der deutschen Sprache, sodaß es schon Probleme gibt, wenn es um Begriffe geht wie "oben" und "unten."
An eine schriftliche Dokumentation ist überhaupt nicht zu denken.

Man könnte realistisch gesehen nur eine Anleitung durchführen, wenn man die Zeit hätte sich mit dem Schüler ausschließlich täglich zu beschäftigen, um alles sehr langsam zu demonstrieren und auf die einzelnen Begriffe, die nicht bekannt sind einzuugehen.

Es ist schon schwer einen kleineren Auftrag zu vermitteln, wenn zb. eine Kamera für eine Wunddokumentation aus der Ambulanz geholt werden muß, oder daß der Essenswagen angedockt werden muß.

Diese "kleineren " Aufgaben sind schon mit vielen Erkklärungen verbunden, bei denen man etliche Worte ersteinmal erarbeiten muß.

Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich langsam von meiner Aufgabe genervt, weil diese neben der Stationsarbeit dadurch zu einer Tortur wird und weil
ich mir langsam etwas vereiert vorkomme, wenn ich ersteinmal Deutschstunden abhalten soll.
Ich habe nun über 30 Jahre Schüler angeleitet und ausgebildet,was mir immer sehr viel Freude gemacht hat.

Aber wenn man nicht verstanden wird, und seine Arbeit nebenher ableisten muß- dann ist das eine Arbeit, die man nicht während einer normalen Arbeitsschicht mehr leisten kann.
Um das aufzuarbeiten müßte man täglich 2 Stunden dranhängen und länger arbeiten.
Die schriftlichen Lernaufgaben sind ein orthographisches Desaster, ganz zu schweigen, von dem Inhalt dieser Aufgaben, die nicht einmal der 2. Grundschulklasse Ehre machen würden.

Ich habe nicht vor diese schriftlichen Aufgaben auch noch durchzuarbeiten, denn die Schule soll sich mal ansehen, was die da vorhaben.

Wenn diese Schüler mit geringen Deutschkenntnissen ausbilden, dann müssen die zusätzliche Sprachkurse anbieten und nicht der Praxisanleitung das Problem während der Arbeitszeit aufdrücken.

Es ist zwar schön, wenn die Schüler fleißig mitarbeiten wollen, das nutzt aber nichts, wenn man ihnen nicht begreiflich machen kann warum, wie und wieso sie etwas SO arbeiten sollen.
Ich würde davon ausgehen, wenn die Schüler die Sprache beherrschen würden, in der sie eine Ausbildung anstreben, dann würde daraus sicherlich gutes und engagiertes Pflegepersonal werden.
Aber wenn jede Ausführung und Arbeit schon an der Sprachbarriere scheitert, dann müssen da zunächst einmal die Sprachkenntnisse erweitert werden. / Englisch ist leider auch keine Alternative, weil die Muttersprache afrikanisch ist und das Englisch genauso lückenhaft ist wie die deutsche Sprache.

Die eine Schülerin bat mich zb. am Sonntag nach meinem Dienst noch ihre Lernaufgabe durchzugehen.
Das hätte ich normalerweise auch noch nach der Schicht getan.
In diesem speziellen Fall, hätte das zb. mehrere Stunden gedauert, die ich a.) nicht übrig hatte und bei der sie b.) in ihrer Schicht gefehlt hätte.
Jede Lernaufgabe benötigt die 4-5 fache Zeit, die man ausführen möchte.
Daß diese nicht zur Verfügung steht,brauche ich sicherlich nicht extra zu erwähnen.

Liebe Grüße Plüsch
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Re: Krankenpflegeschüler mit geringen Deutschkenntnissen

Beitrag  Brain am 16.11.11 16:28

Wie viele Schüler mit so eklatanten Sprachkenntnissen hattest Du denn jetzt?
Leider ist es ein bundesweites Problem, dass sich allerdings schon seit einigen Jahren vorsichtig angenähert hat, dass die sprachliche Qualität der Bewerber extrem nachgelassen hat. Von Orthographie möchte ich gar nicht erst anfangen. "Witzig" finde ich dann, wenn sich die Schulnoten der jeweiligen Bewerber angeschaut werden und dort erstaunt festgestellt werden muss, dass die Benotung z.B. im Fache Deutsch gar nicht sooooo schlecht ist. Da befürchte ich doch, dass wir leider irgendwie die Versäumnisse der Schule ausbügeln müssen, oder? Problem ist leider, dass diejenigen, die sich in Sprache und Schrift einigermaßen "zivilisiert" ausdrücken könnten nicht unbedingt als Bewerber für unseren Job zur Verfügung stehen. Unser Imageproblem ist nicht geringer geworden. Und ich spreche hier von Schülern, deren Muttersprache Deutsch ist.
Wie sieht denn eure Schule das Problem? Ich meine, was für Einstellungskriterien gibt es denn bitteschön bei denen? Ich gebe Dir absolut recht, die Deutschstunde ist ganz bestimmt nicht die Aufgabe der Station sondern eindeutig die der Schule, nur, wie sinnvoll sind denn bitte Schüler, die nicht kommunizieren können, weil die Sprachdefizite so extrem sind? Englisch wäre aus meiner Sicht bestimmt keine Lösung, selbst wenn der Schüler dies gut sprechen könnte, denn ich kann doch wohl von meinen Patienten nicht verlangen, dass sie in ihrem Heimatland in einem Krankenhaus liegen und sich nicht verständigen können bzw. gezwungen werden, eine Fremdsprache zu sprechen. Es ist doch wohl schon heftig genug, dass viele Ärzte nur noch teilweise sehr gebrochen Deutsch sprechen. Die verstehe ich nur schwer, wie geht es denn dann einem älteren Menschen? Die Gefahrenquelle ist da extrem hoch. Momentan verstehe ich also echt nicht, unter welchen Gesichtspunkten euer Schulträger Bewerber nimmt.

Brain

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Re: Krankenpflegeschüler mit geringen Deutschkenntnissen

Beitrag  Plüschfussel am 16.11.11 16:46

Es waren 3 aus einem afrikanischem Land und eine türkische Schülerin, die leider auch nur sehr schlecht Deutsch verstanden hat, was ja eigentlich meitens nicht mehr der Fall ist, wenn die in Deutschland geboren sind.

Einzelfälle könnte man ja noch zu kompensieren versuchen, aber das wird langsam anstrengend und ist nicht leistbar.

Ich habe die Schule dazu angeschrieben, aber leider ist der Zuständige zur Zeit im Urlaub, sodaß ich auf eine Antwort noch warten muß.

lg Plüsch
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